Aus dem Geschichtsbuch gefallen

Ralf Höller, Aus dem Geschichtsbuch gefallen
Ralf Höller, Aus dem Geschichtsbuch gefallen

Geschichte einmal anders erzählt: nicht mit Fokus auf die Gewinner und Gefeierten, sondern aus dem Blickwinkel der Verlierer und Vergessenen. Der Band versammelt zwölf spannende wie verblüffende Porträts.

Im Jahr 1648 durchfuhr ein einfacher Kosak die Meerenge zwischen Russland und Amerika, in einem selbstgezimmerten Boot. Sein Bericht darüber verschimmelte in einem Archiv. So kam es, dass nicht Semjon Deschnew in die Geschichtsbücher einging, sondern Vitus Bering: Der dänische Kapitän reiste 80 Jahre später im Auftrag Zar Peters des Großen, mit prall gefüllter Kasse. Obwohl Bering, anders als Deschnew, auf halber Strecke umkehrte, heimste er den ganzen Ruhm ein. Bis heute trägt die Beringstraße seinen Namen.

Unterschlagen wurde lange auch der Name von Micaela Bastidas. Aus einfachen Verhältnissen stammend, führte sie in Peru den größten Aufstand gegen die Spanier an, gemeinsam mit ihrem gebildeten Mann. Ihr Briefwechsel enthüllt, dass sie vieles klarer sah als er und auch radikaler handelte. Dennoch ist die Revolte allein nach ihm benannt: Túpac Amaru. Einer Frau, noch dazu indigen, traut die überwiegend männliche Historikerzunft kaum Bedeutendes zu.

Geschichte wird meist aus Sicht der Mächtigen erzählt. Hier erfolgt die Perspektive von unten – mit bislang kaum bekannten Fakten, oft übersehenen Details und in der Rückschau selten gezogenen Schlüssen.

Ralf Höller, Aus dem Geschichtsbuch gefallen
Wagenbach Verlag, Berlin 2026. SALTO [295]
144 Seiten. 11 x 21 cm. Gebunden. 22,– €
ISBN 978-3-8031-1394-8